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    <title>Buch &amp;mdash; Jochen Tetzlaff</title>
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    <pubDate>Wed, 22 Apr 2026 05:13:53 +0000</pubDate>
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      <title>Vietnam. Fotografien von Thomas Billhardt</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Thomas Billhardt ist ein untypischer Kriegsfotograf. Er hat in Vietnam nie an Kampfhandlungen teilgenommen, war nicht an der Front, sondern dokumentierte das Leben und Überleben der Bevölkerung Nordvietnams. Seine Fotos fokussieren auf die Angegriffenen, nicht auf die Angreifer.&#xA;!--more--&#xA;vietnam fotografie thomas billhardt&#xA;&#xA;Billhardt hat während des Vietnam-Krieges zahlreiche Reisen nach Nordvietnam unternommen und sich bei seinen Fotos auf Alltagssituationen konzentriert. Zwar sind die Fotografien keine gestellten Heldinnen-Abbildungen, dennoch wirken sie ikonisch und zeigen den unbeugsamen Siegeswillen der vietnamesischen Bevölkerung. Am deutlichsten wird das bei der Aufnahme, die einen gefangenen US-Piloten zeigt der von einer deutlich kleineren Frau abgeführt wird (Cover des Bildbandes). &#xA;&#xA;Weil Billhards Bilder so hervorragend als Anklage gegen den US-Krieg geeignet waren, hat er als DDR-Bürger und Fotograf große Privilegien genossen, wie beispielsweise Reisefreiheit und die Ausstattung mit Material und Mitarbeiterinnen. Auch das nordvietnamesische Regime wusste die Wirkung der Arbeit Billhards zu schätzen und hat ihn so ungestört wie möglich gewähren lassen. &#xA;&#xA;Die Bilder wurden in der Presse der realsozialistischen Staaten breit veröffentlicht, in der DDR erschienen auch zahlreiche Bildbände. Er hat die kollektive Erinnerung der DDR-Bevölkerung an den Vietnam-Krieg wesentlich geprägt. &#xA;&#xA;Nun wurden die Fotos neu editiert und im Bildband «Vietnam. Fotografien von Thomas Billhardt», ergänzt durch Erinnerungen des Fotografen, verlegt. Der Bildband ist in drei Kapitel aufgeteilt, erst die Fotos aus Nordvietnam (ab Ende der 60er Jahre), Aufnahmen aus Südvietnam nach der Befreiung 1975 sowie die Rückkehr nach Vietnam anlässlich einer Ausstellung Billhards Fotos viele Jahre später. &#xA;&#xA;Für mich als Kind des Westens ist der Kontrast zur gewohnten Bilderproduktion des Vietnamkrieges beeindruckend. Beim Lesen des Bildbandes ist mir noch einem deutlich geworden wie stark das gewohnte Narrativ ein Blick durch die Brille des Aggressors ist. Abgesehen davon gefallen mir die Fotos ausgesprochen gut, sie sind ausdrucksstark und interessant, oft auch ausgesprochen schön. Das Buch ist aus meiner Sicht mit Sicherheit eine Empfehlung wert. &#xA;&#xA;#buch #fotografie #ThomasBillhardt #vietnam&#xA;&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Thomas Billhardt ist ein untypischer Kriegsfotograf. Er hat in Vietnam nie an Kampfhandlungen teilgenommen, war nicht an der Front, sondern dokumentierte das Leben und Überleben der Bevölkerung Nordvietnams. Seine Fotos fokussieren auf die Angegriffenen, nicht auf die Angreifer.</strong>

<img src="https://i.snap.as/kXVaecEw.jpg" alt="vietnam fotografie thomas billhardt"/></p>

<p>Billhardt hat während des Vietnam-Krieges zahlreiche Reisen nach Nordvietnam unternommen und sich bei seinen Fotos auf Alltagssituationen konzentriert. Zwar sind die Fotografien keine gestellten Held*innen-Abbildungen, dennoch wirken sie ikonisch und zeigen den unbeugsamen Siegeswillen der vietnamesischen Bevölkerung. Am deutlichsten wird das bei der Aufnahme, die einen gefangenen US-Piloten zeigt der von einer deutlich kleineren Frau abgeführt wird (Cover des Bildbandes).</p>

<p>Weil Billhards Bilder so hervorragend als Anklage gegen den US-Krieg geeignet waren, hat er als DDR-Bürger und Fotograf große Privilegien genossen, wie beispielsweise Reisefreiheit und die Ausstattung mit Material und Mitarbeiter*innen. Auch das nordvietnamesische Regime wusste die Wirkung der Arbeit Billhards zu schätzen und hat ihn so ungestört wie möglich gewähren lassen.</p>

<p>Die Bilder wurden in der Presse der realsozialistischen Staaten breit veröffentlicht, in der DDR erschienen auch zahlreiche Bildbände. Er hat die kollektive Erinnerung der DDR-Bevölkerung an den Vietnam-Krieg wesentlich geprägt.</p>

<p>Nun wurden die Fotos neu editiert und im Bildband <a href="https://www.editionbraus.de/Neuerscheinungen/Vietnam::302.html" rel="nofollow">«Vietnam. Fotografien von Thomas Billhardt»</a>, ergänzt durch Erinnerungen des Fotografen, verlegt. Der Bildband ist in drei Kapitel aufgeteilt, erst die Fotos aus Nordvietnam (ab Ende der 60er Jahre), Aufnahmen aus Südvietnam nach der Befreiung 1975 sowie die Rückkehr nach Vietnam anlässlich einer Ausstellung Billhards Fotos viele Jahre später.</p>

<p>Für mich als Kind des Westens ist der Kontrast zur gewohnten Bilderproduktion des Vietnamkrieges beeindruckend. Beim Lesen des Bildbandes ist mir noch einem deutlich geworden wie stark das gewohnte Narrativ ein Blick durch die Brille des Aggressors ist. Abgesehen davon gefallen mir die Fotos ausgesprochen gut, sie sind ausdrucksstark und interessant, oft auch ausgesprochen schön. Das Buch ist aus meiner Sicht mit Sicherheit eine Empfehlung wert.</p>

<p><a href="https://jochen-tetzlaff.online/tag:buch" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">buch</span></a> <a href="https://jochen-tetzlaff.online/tag:fotografie" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">fotografie</span></a> <a href="https://jochen-tetzlaff.online/tag:ThomasBillhardt" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">ThomasBillhardt</span></a> <a href="https://jochen-tetzlaff.online/tag:vietnam" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">vietnam</span></a></p>
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      <guid>https://jochen-tetzlaff.online/vietnam</guid>
      <pubDate>Mon, 09 May 2022 18:50:57 +0000</pubDate>
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      <title>Jannis Milios: Eine zufällige Begegnung in Venedig</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Wie ist der #Kapitalismus entstanden? Wann und wo? Und warum? Dieser Frage widmet sich Jannis Milios in seinem Buch &#34;Eine zufällige Begegnung in Venedig. Die Entstehung des Kapitalismus als Gesellschaftssystem.&#34; Schon im Titel wird klar, wie Milios die Frage beantwortet. In #Venedig des 14. Jahrhunderts sei der Kapitalismus entstanden, und zwar durch das zufällige Aufeinandertreffen doppelt freier Arbeiter (frei von Kapital und &#34;frei&#34; ihre Arbeitskraft zu verkaufen) mit Geldbesitzern.&#xA;!--more--&#xA;Die im Dietz-Verlag erschienene Studie ist sehr gut lesbar, die zentralen Thesen bringt der Autor kompakt auf den Punkt. Daher ist die Lektüre auch historisch interessierten Nicht-Akademikern, wie ich einer bin, zu empfehlen. Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit Theorie, im zweiten Teil werden die theoretischen Prämissen schließlich auf den Stadtstaat Venedig angewandt. &#xA;&#xA;milios venedig kapitalismus&#xA;&#xA;Was ist Kapitalismus?&#xA;Wer untersuchen will wie der Kapitalismus entstanden ist muss natürlich zunächst einmal klären was unter Kapitalismus genauer zu verstehen ist. Zentral für Milios ist hier Lenin, der sich im Streit mit den Narodniki mit Frühformen des Kapitalismus und der Lohnarbeit beschäftigt, sowie die theoretischen Arbeiten Karl Kautskys zur Agrarfrage und Kapitalismus. Dazu weist der Autor diverse Formen marxistischen Geschichtsdeterminismus zurück und macht sich die aleatorische (zufällige) Begegnung (Althusser/Balibar) zu eigen.  &#xA;Das wars dann auch schon mit positiven theoretischen Bezügen, der Rest der Forschung zur Genese des kapitalistischen Systems kanzelt Milios mal mehr mal weniger harsch ab.&#xA;Handel, Politik, Krieg, Manufakturwesen und Finanzwesen in Venedig&#xA;Leider fällt der zweite Teil des Buches, der sich konkret mit der Entwicklung Venedigs beschäftigt, für meinen Geschmack etwas kurz aus. Das ist schade, werden hier doch sehr interessante Entwicklungen behandelt und so mancher hartnäckige Mythos, wie der vom genialen Unternehmertum, anschaulich widerlegt. Andererseits lädt der Anmerkungsapparat und die Quellenliste zur Vertiefung ein, Milios kann hier als Einstieg genutzt werden, an weiterführender Literatur über den faszinierenden Stadtstaat herrscht wahrlich kein Mangel. &#xA;Interessant und ärgerlich zugleich&#xA;Wie bereits lobend erwähnt ist das Buch gut lesbar und eröffnete mir zahlreiche neue Erkenntnisse, gerade auch im theoretischen Teil. Die Agrarfrage und der Kapitalismus ist nicht nur unter historischen Gesichtspunkten eine wichtige Frage, sondern berührt mit Sicherheit auch unsere Gegenwart. Möglicherweise sollten wir Lenins Polemik gegen die Narodniki wieder aufmerksam lesen, wenn wir uns mit Thesen befassen, die in gemeinschaftlichen, agrarischen Projekten den Keim einer Überwindung des Kapitalismus finden wollen. Und selbstverständlich bleibt richtig, dass wer seine Gegenwart verstehen will seine Geschichte kennen muss. Zu dieser Kenntnis trägt Milios bei.  &#xA;Allerdings sollte das Buch mit einem kritischen Blick gelesen werden, mir scheint der Autor macht es sich immer wieder reichlich leicht. So ist das kurze Kapitel zur Weltsystemtheorie irgendwo zwischen ärgerlich und lächerlich anzusiedeln. Auffällig auch, dass bei Milios sämtliche Historiker sehr schlecht weg kommen. Nach Lenin und Kautzky scheinen sich nur noch Idioten mit der #Geschichte befasst zu haben. Diese Überheblichkeit nervt beim Lesen und ist sicherlich unangemessen. &#xA;&#xA;buch]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie ist der <a href="https://jochen-tetzlaff.online/tag:Kapitalismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kapitalismus</span></a> entstanden? Wann und wo? Und warum? Dieser Frage widmet sich Jannis Milios in seinem Buch “Eine zufällige Begegnung in Venedig. Die Entstehung des Kapitalismus als Gesellschaftssystem.” Schon im Titel wird klar, wie Milios die Frage beantwortet. In <a href="https://jochen-tetzlaff.online/tag:Venedig" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Venedig</span></a> des 14. Jahrhunderts sei der Kapitalismus entstanden, und zwar durch das zufällige Aufeinandertreffen doppelt freier Arbeiter (frei von Kapital und “frei” ihre Arbeitskraft zu verkaufen) mit Geldbesitzern.</strong>

Die im <a href="https://dietzberlin.de/produkt/eine-zufaellige-begegnung-in-venedig/" rel="nofollow">Dietz-Verlag</a> erschienene Studie ist sehr gut lesbar, die zentralen Thesen bringt der Autor kompakt auf den Punkt. Daher ist die Lektüre auch historisch interessierten Nicht-Akademikern, wie ich einer bin, zu empfehlen. Der erste Teil des Buches beschäftigt sich mit Theorie, im zweiten Teil werden die theoretischen Prämissen schließlich auf den Stadtstaat Venedig angewandt.</p>

<p><img src="https://i.snap.as/d6CNwRsr.jpg" alt="milios venedig kapitalismus"/></p>

<h2 id="was-ist-kapitalismus" id="was-ist-kapitalismus">Was ist Kapitalismus?</h2>

<p>Wer untersuchen will wie der Kapitalismus entstanden ist muss natürlich zunächst einmal klären was unter Kapitalismus genauer zu verstehen ist. Zentral für Milios ist hier Lenin, der sich im Streit mit den Narodniki mit Frühformen des Kapitalismus und der Lohnarbeit beschäftigt, sowie die theoretischen Arbeiten Karl Kautskys zur Agrarfrage und Kapitalismus. Dazu weist der Autor diverse Formen marxistischen Geschichtsdeterminismus zurück und macht sich die aleatorische (zufällige) Begegnung (Althusser/Balibar) zu eigen.<br/>
Das wars dann auch schon mit positiven theoretischen Bezügen, der Rest der Forschung zur Genese des kapitalistischen Systems kanzelt Milios mal mehr mal weniger harsch ab.</p>

<h2 id="handel-politik-krieg-manufakturwesen-und-finanzwesen-in-venedig" id="handel-politik-krieg-manufakturwesen-und-finanzwesen-in-venedig">Handel, Politik, Krieg, Manufakturwesen und Finanzwesen in Venedig</h2>

<p>Leider fällt der zweite Teil des Buches, der sich konkret mit der Entwicklung Venedigs beschäftigt, für meinen Geschmack etwas kurz aus. Das ist schade, werden hier doch sehr interessante Entwicklungen behandelt und so mancher hartnäckige Mythos, wie der vom genialen Unternehmertum, anschaulich widerlegt. Andererseits lädt der Anmerkungsapparat und die Quellenliste zur Vertiefung ein, Milios kann hier als Einstieg genutzt werden, an weiterführender Literatur über den faszinierenden Stadtstaat herrscht wahrlich kein Mangel.</p>

<h2 id="interessant-und-ärgerlich-zugleich" id="interessant-und-ärgerlich-zugleich">Interessant und ärgerlich zugleich</h2>

<p>Wie bereits lobend erwähnt ist das Buch gut lesbar und eröffnete mir zahlreiche neue Erkenntnisse, gerade auch im theoretischen Teil. Die Agrarfrage und der Kapitalismus ist nicht nur unter historischen Gesichtspunkten eine wichtige Frage, sondern berührt mit Sicherheit auch unsere Gegenwart. Möglicherweise sollten wir Lenins Polemik gegen die Narodniki wieder aufmerksam lesen, wenn wir uns mit Thesen befassen, die in gemeinschaftlichen, agrarischen Projekten den Keim einer Überwindung des Kapitalismus finden wollen. Und selbstverständlich bleibt richtig, dass wer seine Gegenwart verstehen will seine Geschichte kennen muss. Zu dieser Kenntnis trägt Milios bei.<br/>
Allerdings sollte das Buch mit einem kritischen Blick gelesen werden, mir scheint der Autor macht es sich immer wieder reichlich leicht. So ist das kurze Kapitel zur Weltsystemtheorie irgendwo zwischen ärgerlich und lächerlich anzusiedeln. Auffällig auch, dass bei Milios sämtliche Historiker sehr schlecht weg kommen. Nach Lenin und Kautzky scheinen sich nur noch Idioten mit der <a href="https://jochen-tetzlaff.online/tag:Geschichte" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Geschichte</span></a> befasst zu haben. Diese Überheblichkeit nervt beim Lesen und ist sicherlich unangemessen.</p>

<p><a href="https://jochen-tetzlaff.online/tag:buch" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">buch</span></a></p>
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      <pubDate>Wed, 14 Apr 2021 06:19:09 +0000</pubDate>
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      <title>Wu Yiching: Die andere Kulturrevolution</title>
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      <description>&lt;![CDATA[Die chinesische #Kulturrevolution ist überraschenderweise bislang kaum erforscht. Dabei war sie eine der größten und blutigsten politischen Kampagnen in der Geschichte der Volksrepublik #China. Mit dem von Ralf Ruckus übersetztem und herausgegebenem #Buch &#34;Die andere Kulturrevolution. 1966-1969: Der Anfang vom Ende des chinesischen Sozialismus&#34; liegt nun die sehr interessante Arbeit von Wu Yiching endlich auf Deutsch vor.&#xA;!--more--&#xA;Bombardiert das Hauptquartier!&#xA;Wu Yiching behandelt in “Die andere Kulturrevolution” weniger die politische Haltung Maos und der Partei, sondern untersucht die überschießenden Elemente der Kulturrevolution und arbeitet heraus, wie ganz unterschiedliche Akteure sich selbst ermächtigen für ihre Interessen zu kämpfen und damit mit dem Apparat schnell in Konflikt geraten. &#xA;&#xA;wu yiching kulturrevolution&#xA;&#xA;Ein - wie ich finde - besonders drastisches Beispiel für die Verkommenheit des maoistischen, autoritären #Sozialismus ist die Blut-Linien-Theorie, die sich Mitte der 1960er Jahre herausbildet. Diese besagt, dass die Kinder von KP-Kadern und RevolutionsveteranInnen per Abstammung selbst RevolutionärInnen seien. Als Beispiel für die Kritik an diesem absurden Kastensystem stellt Wu mit Yu Luoke einen jungen Arbeiter vor, der sich für egalitäre Rechte in der Gesellschaft einsetzt.&#xA;Befriedung durch &#34;Reformen&#34;&#xA;Interessant ist auch Wu Yichings These, dass sich der Parteiapparat vor diesen Forderungen und Kämpfen durch die Einleitung des Prozesses der Öffnung des chinesischen Markes rettet. Die Klammer zwischen Maiosten und sog. Revisionisten oder Reformern ist der Machterhalt und die Absicht die Gesellschaft zu kontrollieren. So wirkt die Kulturrevolution stärker auf die Gegenwart ein als dies zunächst scheint.  &#xA;Der Übersetzer Ralf Ruckus publiziert übrigens regelmäßig interessante Beiträge über diese chinesische Gegenwart.&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die chinesische <a href="https://jochen-tetzlaff.online/tag:Kulturrevolution" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kulturrevolution</span></a> ist überraschenderweise bislang kaum erforscht. Dabei war sie eine der größten und blutigsten politischen Kampagnen in der Geschichte der Volksrepublik <a href="https://jochen-tetzlaff.online/tag:China" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">China</span></a>. Mit dem von Ralf Ruckus übersetztem und herausgegebenem <a href="https://jochen-tetzlaff.online/tag:Buch" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Buch</span></a> “Die andere Kulturrevolution. 1966-1969: Der Anfang vom Ende des chinesischen Sozialismus” liegt nun die sehr interessante Arbeit von Wu Yiching endlich auf Deutsch vor.</strong>
</p>

<h2 id="bombardiert-das-hauptquartier" id="bombardiert-das-hauptquartier">Bombardiert das Hauptquartier!</h2>

<p>Wu Yiching behandelt in <a href="https://www.mandelbaum.at/buecher/wu-yiching/die-andere-kulturrevolution/" rel="nofollow">“Die andere Kulturrevolution”</a> weniger die politische Haltung Maos und der Partei, sondern untersucht die überschießenden Elemente der Kulturrevolution und arbeitet heraus, wie ganz unterschiedliche Akteure sich selbst ermächtigen für ihre Interessen zu kämpfen und damit mit dem Apparat schnell in Konflikt geraten.</p>

<p><img src="https://i.snap.as/2P7yokZX.jpg" alt="wu yiching kulturrevolution"/></p>

<p>Ein – wie ich finde – besonders drastisches Beispiel für die Verkommenheit des maoistischen, autoritären <a href="https://jochen-tetzlaff.online/tag:Sozialismus" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Sozialismus</span></a> ist die Blut-Linien-Theorie, die sich Mitte der 1960er Jahre herausbildet. Diese besagt, dass die Kinder von KP-Kadern und RevolutionsveteranInnen per Abstammung selbst RevolutionärInnen seien. Als Beispiel für die Kritik an diesem absurden Kastensystem stellt Wu mit Yu Luoke einen jungen Arbeiter vor, der sich für egalitäre Rechte in der Gesellschaft einsetzt.</p>

<h2 id="befriedung-durch-reformen" id="befriedung-durch-reformen">Befriedung durch “Reformen”</h2>

<p>Interessant ist auch Wu Yichings These, dass sich der Parteiapparat vor diesen Forderungen und Kämpfen durch die Einleitung des Prozesses der Öffnung des chinesischen Markes rettet. Die Klammer zwischen Maiosten und sog. Revisionisten oder Reformern ist der Machterhalt und die Absicht die Gesellschaft zu kontrollieren. So wirkt die Kulturrevolution stärker auf die Gegenwart ein als dies zunächst scheint.<br/>
Der Übersetzer Ralf Ruckus <a href="https://www.gongchao.org/tag/ralf-ruckus/" rel="nofollow">publiziert</a> übrigens regelmäßig interessante Beiträge über diese chinesische Gegenwart.</p>
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      <guid>https://jochen-tetzlaff.online/wu-yiching-die-andere-kulturrevolution</guid>
      <pubDate>Thu, 11 Mar 2021 07:11:39 +0000</pubDate>
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